Datum: 11.12.2019
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Wieder zu Hause

  • Bitte bedenken Sie, dass bei beiden Prothesen (Hüft- bzw. Knieprothese) das Anwachsen des Knochen etwa ein halbes Jahr benötigt, so dass Sie in diesem Zeitraum starke Belastungen vermeiden sollten. Dazu zählen vor allem abrupte, ruckartige Bewegungen, Ausdauersportarten, häufiges Treppensteigen, langes Stehen, überproportionale Gewichtszunahme, sowie das Heben von schweren Lasten. Speziell beim Kniegelenk sind die extreme Beugung (Hocken) genauso zu vermeiden wie das direkte Knien auf der Prothese. Letzteres kann durch unterlegen eines Kissens oder den Einbeinkniestand schonender gestaltet werden. Beim Hüftgelenk sind das Überschlagen der Beine, wie auch das Sitzen in tiefen Sitzmöbeln (Sofas, Loungesessel) nicht empfehlenswert.  

    An dieser Stelle soll auch die Frage nach der Dauer des Einsatzes der Unterarmgehstützen beantwortet werden. Diese sollten so lange benutzt werden, bis ein normales bzw. hink- und schmerzfreies Gangbild erreicht ist. Bei optimalem Behandlungsverlauf ist da nach Beendigung der Rehamaßnahmen (etwas 6 Wochen nach der Operation) zu erwarten. 

  • Erfahrungsgemäß ist es sinnvoll die Unterarmgehstützen nicht von heute auf morgen auszusetzen, sondern den Gebrauch in Abhängigkeit der Kondition langsam schrittweise auszuschleichen. Als Grundsatz gilt:

    • Besser ein gesunder Gang mit Hilfsmittel als ein ungesundes Hinken ohne Unterstützung.

    Je länger man sich ein falsches Bewgungsmuster aneignet, umso schwieriger ist dieser Missstand  auch durch Training zu korrigieren. Ein normales schmerzfreies Gangbild und die damit verbundene gleiche Belastung beider Beine, ist der beste Indikator für ein gutes Operationsergebnis. 

    Bei noch eingeschränkter Beweglichkeit kommen als Hilfsmittel außerdem elastische Schnürsenkel in Verbindung mit einem langen Schuhanzieher in Frage. Ein Sitzkissen kann zusätzlich als Erhöhungsunterlage dienen. Hüftpatienten sollten beim Liegen auf der gesunden Seite in den ersten Wochen ein ausreichend großes Kissen zwischen den Beinen lagern um ein Überschlagen zu vermeiden.

Für Ihre sportlichen Aktivitäten gilt

Sie dürfen mit Ihrem neuen Gelenk alles machen. Voraussetzung ist lediglich, dass keine ungewohnte und somit neue Sportart erlernt wird. Über Jahre geschulte Bewegungsabläufe können ohne Probleme weiterhin ausgeführt werden. Somit sind nach den ohnehin empfehlenswerten Sportarten wie Radfahren, Wandern, Schwimmen, Nordic-Walking, Ski-Langlauf, Gymnastik und Tanzen (Standart- und Lateintänze), in Absprache mit dem Arzt oder Physiotherapeuten, auch Golfen, Joggen (möglichst auf Waldboden oder Tartanbahn mit geeignetem Schuhwerk) oder auch Krafttrainig als nicht ungeeignete Aktivitäten einzuordnen. Geübte Sportler können auch weiterhin Tennis (auf Sandplätzen oder Granulat) bzw. Tischtennis spielen, sowie Alpin-Skilaufen oder kontrolliertes Bergsteigen betreiben. 

Als ungeeignet sind lediglich Ballspiele im Zusammenhang mit Kontaktsportarten (Fußball, Handball, Basketball) zu betrachten. 

Bei allem sportlichem Ehrgeiz sollte allerdings nicht vergessen werden, dass es sich um künstliche und keine natürlichen Gelenke handelt. Diese Tatsache führt zu Belastungseinschränkungen, wenn nicht wie bei allen Dingen des Lebens ein gesundes Maß eingehalten wird. Diese gilt vor allen Dingen für ausgiebige Bergwanderungen. 

Abschließend gilt es bei allen Aktivitäten Stoßbewegungen (z. B. Sprünge aus hoher Distanz), schnelle Bewegungswechsel, sowie große Bewegungsausmaße zu vermeiden. Darüber hinaus ist nach einem Wechsel bzw. Ausbau eines Gelenkes sowie nach einer Luxation der ärztliche Rat zu befolgen. 

Bleibt noch die am meisten gestellte Frage

"Ab wann kann ich wieder Autofahren?"

Wenn Sie links operiert sind, dürfen Sie sofort auf Automatikgetriebe fahren. Sind Sie jedoch rechts operiert oder besitzen kein Automatikgetriebe, sollten Sie (möglichst noch in der Reha als Trockenübung) bei voller Belastung und ohne zeitliche Verzögerung bremsen können. Von großem Vorteil sind die heutigen Automodelle in denen man problemlos aufrecht sitzen kann und ausreichen Bewegungsfreiheit besitzt. Bei langen Strecken sollte, gerade in der ersten Zeit, die ein oder andere zusätzliche Pause eingeplant werden.